Karl Straube gab 1898 drei Orgel-Konzerte in Frankfurt/M, am 1. April mit Regers Suite e-moll op.16, welche im Winter 1894/85 in Wiesbaden komponiert worden war. Die Uraufführung durch Straube im März 1897 in Berlin wurde vom einzigen Kritiker zusammenfassend als Kakophonie bezeichnet. Reger wollte sich die Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen, diesen Straube mit seiner Suite hören zu können. Für den Kauf der Fahrkahrte von Wiesbaden nach Frankfurt musste sich Reger von einem der letzten verbliebenen Freunde - Cords - das Geld leihen. An diesem Tag hatte er auch einen Brief mit der Bitte um Geldsendung nach Hause geschrieben. Nicht nur finanziell befand er sich in einem desolatem Zustand, völlig verschuldet, in einer kleinen Bude hausend (Sedanstr.6 II r.), erkrankt an einem großen Halsgeschwür, zerstritten mit seinem Lehrer und Förderer Riemann, unglücklich verliebt mit einer Offizierstochter gewesen, und scheinbar gescheitert in der Anerkennung seiner Werke. Erst im Februar hatte sein Verleger Augener das Klavierquintett c-moll abgelehnt. Es sollte zu Lebzeiten Regers nicht mehr gedruckt werden, trotz intensiver Bemühungen; das Manuskript schenkte er später Adalbert Lindner. Der unmäßige Tabak- und Alkoholkonsum tat ein Übriges. Im Wiesbadener Ratskeller war er ein stets gern gesehener Gast, heute erinnert dort eine Nische an Reger.
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Paulskirche um 1910
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1875 war die Schillerstraße durch große Höfe der nordwestlichen Innenstadt gebrochen worden, um die geplante Neue Börse an das Zentrum anzubinden. Am südöstlichsten Eck zum Schillerplatz, wo das baufällige Bierhaus Bavaria weichen mußte, entstand nach nur einjähriger Bauzeit nach Plänen des Architekten Simon Ravenstein eines der prächtigsten Häuser des wilhelminischen Frankfurts, die neue Bavaria. Am 31. Juli 1883 hatte die Grundsteinlegung stattgefunden, und bereits zu Weihnachten stand die den Siegeskranz haltende, in Zink getriebene Bavaria eine Schöpfung des Bildhauers Gustav Herold, von dem auch die Atlasgruppe auf dem Hauptbahnhof stammt, mit ihrer Löwenquadriga auf der Kuppel des Schillerstraßenflügels. Die aufwendigen Fassaden des von einem reichen Mainzer Unternehmer finanzierten Geschäftshauses waren von großer architektonischer Vielfalt, die Flächen in grünem Sandstein, die Säulen an den oberen Stockwerken von schwedischem Granit. Für die malerische Dekoration hatte man Wilhelm Steinhausen gewonnen, mit Frankfurter Sagen in den Zwickeln der Mezzaninbögen und geschichtlichen Figuren, namentlich Frankfurter Persönlichkeiten, auf den Wandflächen zwischen den Fenstern des ersten Stockes. Das im September 1884 im Parterre und ersten Stock des mittleren Schillerstraßenflügels eröffnete Cafe hatte vorwiegend Hans Thoma ausgemalt: die Decke des großen Saales mit Tierkreiszeichen und Monatsallegorien, aber auch mit Darstellungender vier Winde und einem grotesken Glücksrad, die Wände mit einem Bacchus- und Gambirinuszug, insgesamt 100 Figuren auf 18 Metern. Thoma, der von 1877 bis 1899 in Frankfurt wohnte, bevor er nach Karlsruhe ging, maß dieser Gelegenheitsarbeit selbst keinen großen Wert bei. »Allerdings hatte er nicht erwartet, daß sie einen derartigen Entrüstungssturm entfesseln würde. Der in den Innenräumen tätige Weißbindermeister veröffentlichte vorsorglich eine Erklärung, daß er für die Wanddekorationen nicht verantwortlich zeichne, und die Gäste empörten sich so über die Nacktheit der Putten und Satyrn, daß die ganze bunte Gesellschaft kurzerhand wieder übertüncht wurde. Erst als Thoma berühmt geworden war, wagte man nach der Jahrhundertwende die Entfernung der Schutzschicht« (Eichler). Die Wandbilder, die tapetenartig auf Papierbahnen gemalt waren, wurden von Anton Baussinger, einem Schüler Thomas, restauriert. Das Cafe selbst wurde vom Publikum indes sofort begeistert aufgenommen. Es war gleich dem weltbekannten Cafe Bauer in Berlin im Wiener Stil eingerichtet worden und ging über zwei Stockwerke, mit einem Lesesaal, in dem 120 in- und ausländische Zeitungen in 13 Sprachen auslagen, mit einem Billardsaal zu fünf Billardtischen, die auch der Frankfurter Billardklub nutzte, und einem Saal für Kartenspiele. Eine eigene Kraftmaschine lieferte den Strom für 170 Glüh- und 2 Bogenlampen, bevor es in Frankfurt überhaupt ein Elektrizitätswerk gab. Bei der Eröffnung waren die Spitzen der Behörden zugegen, das Büfett bog sich unter den Delikatessen wie Kaviar, geräucherter Rheinsalm, Gänseleberpastete und Hummermayonnaise. Cafetier M. Bauer aus Berlin sagte in seiner kurzen Ansprache, außer Hamburg kenne er keine Stadt von so kosmopolitischem Zuschnitt wie Frankfurt am Main, das alle Voraussetzungen für eine Weltstadt erfülle. Es verkehrten im Cafe Bauer nicht nur die Börsianer von gegenüber - die Getreidehändler hatten hier ihre Nachbörse -, sondern auch Frankfurter Journalisten und Zeitungsredakteure, überhaupt viel Intellektuelle und viele Fremden. Es war ein sehr solides Cafe, in dem anfangs auch die Damen aus und ein gingen, doch wurde es immer mehr eine Männerdomäne. Die Tasse Kaffee kostete 30 Pfennig; beliebt war ein Kaffee melange, im Glas serviert, dem die Milch schon beigegeben war, zu 35 Pfennig;,zeitweise war russischer Tee in Mode, das Glas »Tschay« für 60 Pfennig. Aber nicht nur der Kaffee, auch die Roastbeefbrote des »Bauer« waren berühmt. 1899 wechselte der Besitzer. Das Cafe gehörte nun dem Grundstücks- und Börsenmakler Max Abeles, später Dr. Levy, dem Schwiegersohn des bekannten Frankfurter Cafetiers Loebl, der es noch einmal mit einer Renaissance versuchte. Aber die zwanziger Jahre näherten sich der Krise, die das Cafe Bauer nicht überstand. Ende 1930 mußte er das Cafe Bauer aufgeben.»Der langjährige Cafetier Dr. Levy hatte seit vielen Monaten mit ernsten finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, denn ein erheblicher Teil eines ziemlich hohen Kredits der in Konkurs geratenen Spar- und Kreditbank war gekündigt worden. Auch die Hilfestellung eines großen Bierverlags, der die Bürgschaft gegenüber dem Hauseigentümer übernahm, konnte den Bankrott nicht verhindern. Das Cafe wurde über Nacht geschlossen. >Das Eingehen dieses einst weltbekannten Unternehmens ist vom Standpunkt Frankfurts nur zu bedauern<, resümierte die Frankfurter Zeitung am 6. November« (Schmid).
Für diese Informationen und Abbildungen zum Cafe Bauer bedanke ich mich bei Herrn Günter Moos, Frankfurt.
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